Challenge-Based Learning

Challenge-based Learning (CBL) ist ein pädagogischer Ansatz, der die Studierenden aktiv durch das Lösen von realen Problemen und Herausforderungen anhand von realistischen, relevanten und lokal verankerten Situationen einbezieht. CBL ist eine praktische Methode, die darauf abzielt, das Lernen durch anspruchsvolle, vielfältige und praxisbezogene Probleme zu fördern. Dieser Ansatz ist auf Zusammenarbeit, kritisches Denken und Kreativität ausgerichtet und ermöglicht es Studierenden, ihre Problemlösungsfähigkeiten und ihr Wissen auf reale Situationen anzuwenden.

Warum Challenge-Based Learning

Durch CBL-Projekte erhalten Studierende tiefere Einblicke in die komplexe (Arbeits-) Welt und die damit einhergehenden praxisrelevanten Herausforderungen. CBL ist insbesondere in einer Zeit relevant, in der viele gesellschaftliche, praxisrelevante Problemkontexte nicht von einer einzigen Disziplin gelöst werden können. Ein multidisziplinärer Ansatz ist erforderlich, der sowohl technische als auch soziale Perspektive und Verständnis umfasst. Daher ist es für künftige Hochschulabsolvent*innen wichtig zu verstehen, wie (technische) Lösungen in der realen Welt funktionieren und wie sie über disziplinäre Grenzen hinweg Verbindungen herstellen können. Zusätzlich sollten sie in die Lage versetzt werden, ihre Fähigkeiten und ihr Wissen kontinuierlich zu aktualisieren, um sich raschen Entwicklungen und Herausforderungen anzupassen.

Der CBL-Ansatz bereitet die Studierenden auf ein dynamisches, komplexes und unvorhersehbares zukünftiges Arbeitsfeld vor. Beim Challenge-Based Learning arbeiten Studierende in (interdisziplinären) Teams und recherchieren, diskutieren und entwickeln kreative Lösungsansätze für die Herausforderungen und verbessern dabei auch ihre Teamfähigkeit.  Die Studierenden definieren selbst, welches Wissen sie benötigen, um das Problem zu lösen, und sie wenden dieses Wissen bei der Entwicklung ihrer Lösung aktiv an. Auf diese Weise entwickeln sie ihre Selbststeuerungs- und Lernfähigkeiten. Zudem lernen sie, verschiedene Perspektiven zu definieren und zu kombinieren, um ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Lösungen zu entwickeln. CBL fördert die Fähigkeiten, die u.a. von Arbeitgebern in der heutigen schnelllebigen und sich ständig verändernden Arbeitswelt gefordert werden, einschließlich der Kompetenzen des kritischen Denkens, der Zusammenarbeit und der kreativen Problemlösung.

Die Challenge

Die Studierenden werden ermutigt, eigene Fragen zu stellen, eigene Ressourcen zu nutzen und eigene Lösungen zu entwickeln. Die Herausforderungen können sich auf verschiedene Bereiche beziehen, z.B. Gesundheit, Technologie oder Umwelt. Die Problemstellungen, an denen die Studierenden in Lehrveranstaltungen, die dem Challenge-Based-Learning-Prinzip folgen, arbeiten, kommen in erster Linie aus der unternehmerischen Praxis oder werden von öffentlichen Institutionen gestellt. So können Praxispartner wie regionale Startups, Unternehmen oder kulturelle Einrichtungen aktuelle Herausforderungen, vor denen sie stehen, den Studierenden zur Bearbeitung zur Verfügung stellen. Zudem können aber auch öffentlich ausgeschriebene Hackathons oder Challenges aus dem Umfeld der jeweiligen Universität oder aus möglichen Universitätsverbünden – wie z.B. UNIC, dem European University Netzwerk, an dem die RUB beteiligt ist – genutzt werden. Für Challenges, in denen Prototypen für die Bearbeitung der Problemstellung angefertigt werden müssen, kann u.a. auf den RUB-Makerspace und die dort vorhandenen Experimentierorte und Werkstätten zurückgegriffen werden.

 

UNIC CityLabs als Challengegeber

Die UNIC CityLabs stellen eine einzigartige Form der Zusammenarbeit im Rahmen des UNIC-Konsortiums dar, bei der in Zusammenarbeit mit den beteiligten Städten physische und virtuelle Treffpunkte etabliert wurden. Hier arbeiten Studierende, Wissenschaftler*innen, Bürger*innen und städtische Interessenvertreter*innen zusammen, um gesellschaftliche Herausforderungen, die postindustrielle Städte betreffen, zu identifizieren und aus wissenschaftlicher Perspektive zu bearbeiten. CityLabs können als inhaltlicher Bestandteil in Lehrveranstaltungen integriert und die bearbeiteten Herausforderungen zeitgleich in mehreren Städten virtuell (oder physisch) bearbeitet werden. Ihre Ergebnisse werden zunächst festgehalten und dann weiter bearbeitet. Die Bearbeitung von Problemstellungen, die im Rahmen der CityLabs identifiziert werden, ermöglicht es den Studierenden, sich mit neuen gesellschaftlichen Herausforderungen in ihrem lokalen Kontext auseinanderzusetzen und innovative Lösungen aus einem internationalen Ansatz heraus zu entwickeln.

Weiterführende Informationen zu den CityLabs an der RUB: https://serviceportal.ruhr-uni-bochum.de/Begriffesammlung/Seiten/UNIC.aspx

Kontakt CityLabs: unic-citylabs@rub.de

 

Rolle der Studierenden beim Challenge-Based Learning

Im Challenge-Based Learning stehen die Studierenden im Mittelpunkt des Lernprozesses; d.h. anders als in der traditionellen Lehre geben Lehrende keine detaillierten inhaltlichen Aufgaben oder Lernziele vor. Stattdessen leiten die Studierenden aus den identifizierten Challenges selbstständig konkrete Fragestellungen ab, an denen sie arbeiten möchten. Sie erwerben die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten, um die Herausforderungen eigenständig zu lösen. Vor diesem Hintergrund ist CBL für Studierende sehr motivierend, da es ihnen authentische Lernerfahrungen bietet. Es werden Konzepte und Beziehungen in Kontexten erforscht, diskutiert und sinnvoll konstruiert, die für Studierende relevante, reale Herausforderungen und Projekte beinhalten. Die Studierenden sind somit aktive Mitgestalter*innen ihres eigenen Lernens und ihrer Entwicklung.

 

Rolle der Lehrenden beim Challenge-Based Learning

Beim Challenge-Based Learning besteht die Rolle der Lehrenden darin, die Studierenden in ihrem Arbeitsprozess anzuleiten und zu fördern und sie mit Wissen und praktischen Ratschlägen zu unterstützen. Die Lehrenden stellen zwar das relevante inhaltliche Fachwissen zur Verfügung, aber vor allem sind sie Coaches für die Teams der Studierenden, indem sie bei den verschiedenen Schritten des CBL unterstützen und so das Lernen erleichtern. Wichtig ist, dass die Lehrenden ihre Rolle als Coaches an die Studierenden kommunizieren und entsprechend handeln; z.B. die Studierenden, die bei der Bearbeitung der Problemstellung nicht weiterkommen, durch Leitfragen dazu motivieren, sich selbstständig das notwendige Wissen anzueignen und neue Lösungswege zu identifizieren.

Dies bedeutet, dass auch die Methodik zur Leistungsbeurteilung sowohl mit der Freiheit und Flexibilität des Lernprozesses als auch mit der Rolle der Lehrenden als Coaches im CBL übereinstimmen muss. Lehrende sollten Selbst- und Peer-Bewertungsformate vorsehen und die Studierenden dazu anleiten.

 

Besondere Merkmale von Challenge-Based Learning

Im Challenge-Based Learning ist das Ergebnis nicht vorhersehbar, da die Studierenden ihre Aufgabe selbst definieren und die Arbeit an der Lösung den Weg bestimmt. Die Studierenden beziehen alle notwendigen Interessengruppen in den Lösungsfindungsprozess ein und veröffentlichen die Ergebnisse jedes Schritts, um Feedback zu erhalten und aus Fehlern zu lernen. Misserfolge sind daher ein selbstverständlicher und unvermeidlicher Teil der Lernerfahrung. Sie regen zum Nachdenken und zur Reflexion an – was wiederum das Lernen der Studierenden fördert.

Challenge-Based Learning lässt Raum für Individualität und Kreativität. Nicht immer muss ein Problem schon definiert und vorgegeben sein. Auch das Erkennen und gemeinsame Definieren von bearbeitbaren Challenges kann zur Aufgabenstellung gehören. Dies bedeutet auch, dass die Studierenden eine Lösung für ein Problem finden können, von dem im Vorfeld niemand wusste, dass es überhaupt besteht.

 

Beratung zu Challenge-Based-Learning-Formaten und -Methoden: Michael.Weckop@rub.de & Stephanie.Heimgartner@rub.de