„Wie hältst du’s mit der Religion?“ – Alltagstheologie der Reformation


Was zeichnet das Lehrmuster aus?

Im Rahmen des Projekts hatten die Studierenden die Möglichkeit, sich mit bisher nicht oder kaum erforschten Quellen der Reformationszeit auseinandersetzen. So wurden diese ermutigt, sich im Sinne des historischen Arbeitens eigenständig Quellentexten zu nähern, für die kaum begleitende und unterstützende Sekundärliteratur existiert. Die Beschäftigung mit Alltagstheologie(n) lenkt weiterhin den Blick weg von den „großen“ Ereignissen der Geschichte hin zu dem inneren Erleben relativ normaler Menschen und zur religiösen Alltäglichkeit – So kann die Reformation nicht nur auf ihre Relevanz bezogen auf den weiteren Geschichtsverlauf hin untersucht werden, sondern v.a., was dieser ideengeschichtliche Umbruch mit den Menschen seiner Zeit gemacht hat und wie weitreichend die reformatorische Theologie insgesamt adaptiert, kritisiert, rezipiert oder negiert wurde.



Fakten im Überblick:

In welcher Form existiert eine Präsenzphase?
Blockveranstaltung

In welchen Zeitraum wird das Lehrmuster durchgeführt?
Während Vorlesungszeit

Wird das Lehrmuster über einen Zeitraum von mehreren Semester durchgeführt?
Nein

Welchen Umfang hat das Lehrmuster?
Creditpoints: 3

In welchem Studienabschnitt ist das Lehrmuster angesiedelt?
Bachelor (Grundlagenphase)

In welcher Art ist das Lehrmuster curricular verankert?
Pflichtmodul

Worum geht es in dem Lehrmuster insbesondere?
Selbstständiges Arbeiten am Text / an Quellen / an Fällen / an Daten, Wissenschaftliches Schreiben und / oder Diskutieren


Welche Zielsetzung hat das Lehrmuster?

Die Studierenden werden durch das begleitete, aber weitestgehend selbstständige Forschen dazu ermutigt, ihr wissenschaftliches Selbstbewusstsein zu stärken sowie ihr eigenes Interessensprofil zu stärken. Das Seminar vermittelt formal methodisch wie inhaltlich wesentliche Elemente des kirchengeschichtlichen Arbeitens sowie der Epoche der Reformation. Als Proseminar konzipiert, werden die Studierenden in monatlichen Terminen Schritt für Schritt durch die verschiedenen Phasen einer Quelleninterpretation geführt, die sie schrittweise auch auf ihre ausgesuchte Quelle anwenden. Durch die monatlichen Treffen wird gewährleistet, dass die Inhalte und methodischen Fähigkeiten verstanden und korrekt angewendet werden, ein Raum zur Klärung von Fragen wird eröffnet. Die angestrebten Kompetenzen bewegen sich also auf verschiedenen Ebenen: Vermittlung wesentlicher Inhalte und Charakteristika reformatorischer Theorie sowie ein Blick für affirmative, kritische oder ablehnende Positionen zu dieser – Vermittlung grundlegender methodischer Kompetenzen des kirchengeschichtlichen Arbeitens – Vermittlung von wissenschaftlicher Neugierde und Selbstbewusstsein, die die Studierenden als Akteur*innen mit eigenen Interessen und Forschungsschwerpunkten ernst nimmt und sie auf den ersten Schritten dieser akademischen Arbeit begleitet. Der Fokus auf Alltagstheologie(n) verfolgt weiterhin die Zielsetzung, dass historische Ereignisse nicht nur in ihrer linearen Kontinuität und retrospektiven Logik verstanden werden, sondern in ihrer Wirkung auf die alltäglichen Zeitgenoss*innen. So werden historische Ereignisse entmystifiziert, während die tatsächliche Wirkung der ideengeschichtlichen Umbrüche sowie die Frage, inwiefern überhaupt ein Verständnis für diese herrschte, untersucht werden. Das eröffnet für Studierende einen gänzlich neuen Zugang zur eigenen Geschichte, der inhärent demokratisch und partizipativ erscheint, da eine Reduktion auf einige weniger Ereignisse und Personen vermieden wird, was wiederum differenziertes Denken und Ambiguitätskompetenz fördert.



Was sind wesentliche Inhalte des Lehrmusters?

Durch den individuell zu legenden Schwerpunkt lassen sich die Inhalte des Projekts nicht explizit konkret machen – das Überthema „Alltagstheologie(n) der Reformation“ setzt den Rahmen, alles andere war jedoch den Studierenden überlassen: Textgattung, Autor*in, Haltung zur Reformation oder konfessionelle Ausrichtung standen nicht fest, sondern durften von den Studierenden frei ausgewählt werden. So wurden v.a. formal methodische Kompetenzen gelehrt, die für das Bearbeiten und Verstehen der ausgewählten Texte notwendig sind. Auch der historische Überblick über Anliegen und Inhalte der Reformation stand im Fokus, um die Quellen entsprechend korrekt einzuordnen und deuten zu können. Durch die de facto getätigte Auswahl im Kurs ergab sich organisch ein Schwerpunkt auf Frauentheologie(n) der Reformationszeit, v.a. im Kontext der Wittenberger Reformation. Die Inhalte wurden entsprechend angepasst, um der Auswahl der Studierenden möglichst genau zu entsprechen.





Weitere Lehrmuster:

Religiöse Pluralität entdecken, reflektieren und diskutierend sichtbar machen. Migrantische religiöse Gemeinschaften vor Ort
Modellierung von sozialen Prozessen
Forschen lernen im 1-Fach-Bachelor Sportwissenschaft: Leben ist Bewegen – Bewegen erforschen
Online Escape Room Mittelalter





Wie ist das Lehrmuster strukturiert?

Das Seminar fand monatlich innerhalb der Vorlesungszeit statt, wobei jeder Termin einen neuen Schritt der Quelleninterpretation oder eine bestimmte Kompetenz vermitteln sollte. In der konstituierenden Sitzung wurden die Studierenden sensibilisiert für die Tatsache, dass historische Quellen selten absichtsfrei verfasst werden, sondern dass v.a. jene Medien, die sich an eine Öffentlichkeit richten, i.d.R. Inszenierungen sind, die entsprechend methodisch behandelt werden müssen. Auch die wichtigsten Tools wurden den Studierenden an die Hand gegeben, darunter das VD16 zur Quellenrecherche, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch sowie allgemeine Tools zur Literaturrecherche. Für den zweiten Termin wurde zunächst Überblickswissen zur Reformation gesammelt, wobei zwei Etherpad zur gemeinsamen Sammlung beitrugen, in denen jeweils ein Zeitstrahl und ein Überblick über einschlägige Literatur zur Reformation gesammelt wurden. Ineinem nächsten Schritt wurde sich den ausgewählten Texten dann konkreter angenähert, indem die allgemeine Ebene der Kontextualisierung verlassen wurde zugunsten der genauen Betrachtung der ausgesuchten Quelle, was mit Leitfragen und einem offenen Forum für Fragen und Austausch sowie durch die Dozentin begleitete Literaturrecherche begleitet wurde. Via Etherpad wurden weiterhin durch Sekundärtexte gesammelte Charakteristika reformatorischer Theologie zusammengetragen, was die folgende Abgabe vorbereitete, in welcher der Text unter formalen wie argumentativen Gesichtspunkten analysiert wurde. Zuletzt wurden die verschiedenen analytischen Zugänge und Aspekte gebündelt und in Form einer Museumstafel aufbereitet, in welcher der eigene Quellentext als potenzielles Exponat behandelt werden sollte, welcher für eine imaginierte Besuchermasse zugänglich gemacht werden sollte. Insgesamt sollte die methodische Ausrichtung des Seminars dem Charakter des betreuten Forschens Rechnung tragen – eine Mischung asynchroner und synchroner Inhalte sowie ein möglichst hohes Maß an Selbstständigkeit bei konstanter und niedrigschwelliger Betreuung. Regelmäßige Angebote zur Sprechstunde, eine konstante Erreichbarkeit via Mail sowie das gelegentliche selbstständige Nachfragen seitens der Dozierenden nach den Zwischenständen sind dabei unbedingt zu leisten.



Welches Prüfungsform ist in dem Lehrmuster vorgesehen?

Regelmäßige und monatliche Abgaben garantieren, dass die Studierenden dabeibleiben, sie die Arbeitsschritte der Quelleninterpretation anwenden und beherrschen lernen und sie sich angemessen mit ihrem ausgesuchten Quellentext auseinandersetzen. Diese Abgaben werden kommentiert mit einem regelmäßigen, konstruktiven Feedback. Weiterhin findet sich bei Moodle ein Forum zum offenen Austausch, in dem sowohl kollegiale Beratung als auch die Moderation durch die Dozierende ermöglicht werden. Auch die Vorstellung des selbst erarbeiteten Museumsexponats erfolgt zunächst via Abgabe und kritischem Feedback, dann aber auch durch die Veröffentlichung auf Moodle für den gesamten Kurs in einem kollegialen Austausch. Eine Abschlussprüfung in Form einer mündlichen Prüfung ist möglich, aber nicht obligatorisch. Durch die regelmäßigen Abgaben und den monatlichen Austausch wird die Leistung der Studierenden allerdings konstant im Auge behalten, sodass Motivation und Qualität gewährleistet werden.



Welche E-Learning-Elemente werden eingesetzt?

Da der Kurs abseits der monatlichen Termine v.a. asynchron verlaufen ist, wurde die Plattform Moodle mitsamt ihres angelegten Methodenreichtums genutzt. Einerseits, um Literatur, Materialien und methodische Hilfsmittel zu verbreiten sowie fristgerechte Abgaben zu sammeln, andererseits aber auch für gemeinschaftliche asynchrone Zusammenarbeit wie Etherpads, offene Foren zur kollegialen Beratung und Diskussion sowie gemeinsame Uploads von Inhalten, die synchron wie asynchron diskutiert werden können. Besonders die für alle gleichzeitig nutzbaren Elemente wie Etherpads oder Diskussionsforen sind für diese Seminarform fruchtbar zu machen, da sie einen kollegialen und v.a. niedrigschwelligen Austausch ermöglichen, ohne eine konstante Präsenz oder Gleichzeitigkeit einzufordern. Gleichzeitig werden diese Formen des Austausches nicht immer gut angenommen, sodass ggf. aktivierende Methodiken angewandt werden müssen oder aber der Austausch im Forum Voraussetzung für die Kreditierung bildet



Tipps für die Umsetzung:

"Der Fokus dieses Projektes lag auf der Erarbeitung bisher unausgewerteter Quellen. Das Medium eines Museumsexponat ist dabei gewählt worden, da es zu einer pointierten Bündelung anregt und v.a. ein Publikum imaginiert, bei dem nicht viel Vorwissen vorauszusetzen ist. So werden zwei wichtige Kompetenzen gefördert: Reduktion auf das Wesentliche und Elementarisierung von komplexen Inhalten, also Wissenschaftskommunikation. Da das Projekt im B.A. angesiedelt ist und der anschließende berufliche Weg nicht selten ins Lehramt führt, sind diese Fähigkeiten elementar und unbedingt zu fördern. Wenn ein solches Projekt in einer früheren Studienphase, wie hier im B.A., angesiedelt ist, ist es unerlässlich, dass die notwendige Methodik kleinschrittig erklärt und begleitet wird. Dazu zählen klare Handlungsanweisungen, die Bereitstellung entsprechender Methodik-Materialien sowie der konstante Austausch der Lerngruppe untereinander sowie mit der lehrenden Person. Im Kontext der Asynchronität bieten sich dafür die verschiedenen Tools auf Moodle an, die eine breite methodische Vielfalt ermöglichen. Außerdem dürfen grundlegende Kompetenzen, sowie z.B. das Lesen von Frakturschrift und der Umgang mit der Sprache der frühen Neuzeit nicht ohne weiteres vorausgesetzt werden, sondern müssen ggf. gemeinsam im Kurs eingeübt werden. Dazu helfen gemeinsames, lautes Lesen sowie spielerische Zugänge. Durch diese formal-sprachlichen Hindernisse kann es dazu kommen, dass das Aussuchen einer Quelle deutlich länger Zeit in Anspruch nimmt, als es von der Dozierenden vorgesehen ist. Nach dem „Trial and Error“-Prinzip kann es hier auch zu Fehlversuchen und Frust auf Seiten der Studierenden kommen, sodass hier eine erhöhteb Betreuung notwendig ist."

Prof.in Dr. Ute Gause



Hat Ihnen das Lehrmuster gefallen? Dann setzen Sie doch ein ähnliches Lehrmuster um! Gerne beraten wir Sie hierzu. Und für Forschendes Lernen gibt es sogar eine Transferförderung. Für einen Beratungswunsch schicken Sie bitte eine E-Mail an lehrmuster@rub.de.






Konzipierung

Kontaktperson:
Prof.in Dr. Ute Gause
(Ute.Gause@rub.de), Evangelische Theologie / Lehrstuhl für Reformation und Neuere Kirchengeschichte


Weitere Informationen

Veröffentlichungsdatum:
18. August 2026, 14:38 Uhr

Schlagwörter:
, ,

Fächergruppen:
Geisteswissenschaften


LEHRE  LADEN

Die Hochschuldidaktik der RUB bietet passend zu den Schlagwörtern vertiefende Materialien an: