Geko-Konferenz: Forschendes Lernen für die Studierenden im ersten Fachsemester des B. A. Studiengangs Erziehungswissenschaft


Was zeichnet das Lehrmuster aus?

Im Rahmen der „Geko-Konferenz“ wurde im Sommersemester 2025 ein Baustein für eine realitätsnahe Simulation einer wissenschaftlichen Forschungskonferenz einschließlich eines Peer-Review-Verfahrens entwickelt und in einem gekoppelten Einführungsseminar umgesetzt. Im Wintersemester 2025/26 wurde das Konzept in einem gekoppelten Einführungsseminar fortgeführt und gleichzeitig wurde der Baustein für den Einsatz in nicht gekoppelten Einführungsseminaren angepasst und dort implementiert.

Die Einführungsseminar in den drei inhaltlichen Linien sind für die Studieneingangsphase des B.A. Erziehungswissenschaft von zentraler Bedeutung. Im Rahmen der Förderung wurde die „Geko-Konferenz“ zunächst in der Linie GM2 „Lernen und Entwicklung“ im Sommersemester 2025 und im Wintersemester 2025/26 umgesetzt. Darüber hinaus wurde das Konzept im Wintersemester 2025/26 in zwei Einführungsseminare der Linie GM3 „Sozialisation“ implementiert.



Fakten im Überblick:

In welcher Form existiert eine Präsenzphase?
Blockveranstaltung, Einzeltermine

In welchen Zeitraum wird das Lehrmuster durchgeführt?
Während Vorlesungszeit

Wird das Lehrmuster über einen Zeitraum von mehreren Semester durchgeführt?
Ja (2 Semester)

Welchen Umfang hat das Lehrmuster?
Creditpoints: 8
Teilnehmerzahl: 142
Die Kreditierung unterscheidet sich danach, ob es sich um ein gekoppeltes oder ein nicht gekoppeltes Einführungsseminar handelt: Gekoppelte Einführungsseminare werden mit 8 ECTS-Punkten kreditiert, nicht gekoppelte Einführungsseminare mit 3 ECTS-Punkten. Die gekoppelten Einführungsseminare umfassen drei Teile (insgesamt 5 SWS): Zwei Teile (4 SWS) finden semesterbegleitend statt, während ein weiterer Teil (1 SWS) als Blockveranstaltung in der vorlesungsfreien Zeit durchgeführt wird. Ein nicht gekoppeltes Einführungsseminar umfasst 2 SWS und findet in der Regel semesterbegleitend statt.

In welchem Studienabschnitt ist das Lehrmuster angesiedelt?
Bachelor (Grundlagenphase)

In welcher Art ist das Lehrmuster curricular verankert?
Pflichtmodul

Worum geht es in dem Lehrmuster insbesondere?
Wissenschaftliches Schreiben und / oder Diskutieren, Sonstiges (Wissenschaftliches Präsentieren)


Welche Zielsetzung hat das Lehrmuster?

Ziel des Projekts „Geko-Konferenz“ ist es, die Studierenden dazu zu befähigen, innerhalb eines gemeinsam definierten Themenkorridors eigenständig eine Forschungsfrage zu entwickeln, ihr Thema sinnvoll einzugrenzen, dieses theoriegeleitet zu verorten und anhand ausgewählter Texte (vorzugsweise empirische Studien) zu einer ausgewogenen Beantwortung der Forschungsfrage zu gelangen. Die Ergebnisse werden zunächst in Form einer wissenschaftlichen Präsentation und anschließend als schriftliche Prüfungsleistung ausgearbeitet.

Die im Seminar entwickelten Forschungsfragen und deren Bearbeitung wurden kontinuierlich im Austausch mit der Seminarleitung und den Kommiliton:innen diskutiert. Dadurch erhielten die Studierenden wiederholt die Möglichkeit, konstruktives Feedback zu geben und anzunehmen sowie ihre eigenen Überlegungen auf Grundlage dieses Feedbacks weiterzuentwickeln.

Die Studierenden sollten bereits zu Beginn ihres Studiums grundlegende Forschungskompetenzen wie die Entwicklung eigener Fragestellungen, Literaturrecherche, wissenschaftliches Schreiben, wissenschaftliche Argumentation und Präsentation erproben. Durch integrierte Peer-Review-Phasen sowie die abschließende Konferenz wurden zudem Feedbackkompetenz und kritisches Denken gezielt gefördert. Die Einbindung von Prinzipien des Open-Science-Ansatzes und von Peer-Review-Verfahren vermittelte ein zeitgemäßes Verständnis wissenschaftlicher Praxis und zielte darauf ab, das Bewusstsein der Studierenden für die Qualitätsstandards guter Forschung zu stärken.

Die Simulation einer wissenschaftlichen Community ermöglichte es den Studierenden, über die fachliche Auseinandersetzung hinaus zentrale Arbeitsweisen und Kommunikationsformen der Wissenschaft kennenzulernen und sich als Teil einer wissenschaftlichen Gemeinschaft zu erfahren. Auf diese Weise sollte das Interesse an wissenschaftlicher Forschung geweckt und nachhaltig gestärkt werden.

Insbesondere für Lehramtsstudierende sollte das Konzept zugleich Perspektiven auf die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung für das eigene Berufsfeld eröffnen und langfristig eine kritisch-reflektierte Haltung gegenüber bildungsbezogenen Fragestellungen fördern. Dahinter steht die Überzeugung, dass es gerade für angehende Lehrkräfte als zukünftige Vermittler:innen von Wissen von besonderer Bedeutung ist, sich nicht nur mit dem Was pädagogischen Wissens, sondern auch mit dem Wie seiner Entstehung auseinanderzusetzen. Dazu gehört insbesondere zu verstehen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse durch die Entwicklung von Fragestellungen, theoretische Rahmung, systematische Literaturrecherche und methodisch reflektierte Argumentation entstehen.

Die Fähigkeit, die Entstehung und Qualität von Wissen kritisch zu reflektieren, bildet eine wichtige Grundlage dafür, pädagogisches Handeln später nicht unreflektiert an vermeintlich bewährten „Methoden“ auszurichten, sondern begründet, kritisch und wissenschaftlich fundiert zu gestalten.



Was sind wesentliche Inhalte des Lehrmusters?

Ein zentrales Merkmal des Konzepts ist die konsequente Verknüpfung fachlicher Inhalte mit einer praxisnahen Simulation wissenschaftlicher Arbeitsprozesse. Das Format der simulierten wissenschaftlichen Konferenz wurde dabei bewusst gewählt, um diesen Prozess der Wissensproduktion, von der Eingrenzung einer Fragestellung über die Recherche und Auswertung von Forschungsliteratur bis hin zur mündlichen Präsentation und schriftlichen Ausarbeitung, nicht nur zu vermitteln, sondern von den Studierenden selbst aktiv und schrittweise zu durchlaufen.





Weitere Lehrmuster:

Geko-Konferenz: Forschendes Lernen für die Studierenden im ersten Fachsemester des B. A. Studiengangs Erziehungswissenschaft
Sustainability Economics – Micro Credential
Frühzeitige Vernetzung von Grundvorlesung, Übung und Labortätigkeiten zur Erleichterung des Einstiegs in das Biochemiestudium
Werkstoffkunde für Studierende in der Studieneingangsphase neu gedacht – Entwicklung einer forschenden werkstoffkundlichen Lehre unter Berücksichtigung nachhaltiger Entwicklungsziele





Wie ist das Lehrmuster strukturiert?

Im gekoppelten Einführungsseminar „Lern- und Entwicklungstheorien im Überblick“ in Verbindung mit „Techniken wissenschaftlichen Arbeitens“ wurden die theoretischen Inhalte systematisch mit forschungspraktischen Kompetenzen verknüpft. Ausgewählte Lehrbuchkapitel wurden durch Lese- und Reflexionsaufträge vorbereitet. So wurde beispielsweise das Exzerpieren als Lesestrategie anhand eines Textes zu einer theoretischen Perspektive eingeübt. In den Sitzungen wechselten sich Impulsvorträge, Kleingruppenarbeit und Plenumsdiskussionen ab.

Jede Sitzung wurde durch zwei kurze studentische Impulse gerahmt. Zu Beginn präsentierten Studierende ihre Erfahrungen mit einer Literaturrecherche zu einer ausgewählten, mit den Sitzungsinhalten verbundenen Fragestellung anhand eines vorstrukturierten Rechercheberichts. Zum Abschluss stellten sie jeweils Bezüge zwischen den behandelten theoretischen Perspektiven und pädagogischer Praxis her und reflektierten gemeinsam deren Bedeutung für pädagogisches Handeln.

Begleitend wurden studentische Tutorien angeboten, in denen die vor- und nachbereitenden Aufgaben unter Anleitung bearbeitet und erste Kurzvorträge zur Zusammenfassung empirischer Studien in Kleingruppen eingeübt werden konnten.

Das Herzstück der „Geko-Konferenz“ fand geblockt statt und war in thematische Sessions gegliedert, in denen die Studierenden ihre Hausarbeiten präsentierten und anschließend diskutierten. Da sich die Diskussionen zunächst als schwierig erwiesen, wurden teilweise „Discussants“ eingesetzt, um zumindest Rückfragen aus der Seminargruppe zu ermöglichen. Im Anschluss holten die Studierenden mit unterschiedlichen Methoden (z. B. Blitzlicht, Denkzettel oder „warme Dusche“) Peer-Feedback ein. Hier zeigte sich eine deutlich stärkere Beteiligung.

Das Konzept der „Geko-Konferenz“ wurde für die nicht gekoppelten Einführungsseminare „Einführung in Theorien der Sozialisation“ angepasst, die semesterbegleitend und ohne Blockanteil stattfanden. In den ersten neun Sitzungen wurde die forschungspraktische Relevanz der behandelten Sozialisationstheorien kontinuierlich thematisiert. Die Studierenden entwickelten daraus mögliche Forschungsfragen und begründeten diese theoretisch. Ergänzend erprobten sie kurze „Pitches“ zu Diskussionsthemen und übten die Pointierung von Fragestellungen durch die Erstellung von Memes zu den behandelten Theorien.

In den letzten fünf Sitzungen wurde zum Konferenzthema „Sozialisationsinstanzen aus demokratiepädagogischer Perspektive“ gearbeitet. Nach einer inhaltlichen Einführung recherchierten die Studierenden individuell zu einer Sozialisationsinstanz und sichteten geeignete wissenschaftliche Quellen. Anschließend entwickelten sie in Kleingruppen Forschungsfragen und fassten ihre Ergebnisse auf einem Poster (einer Folie) zusammen. Die Abschlusskonferenz umfasste eine Postergalerie mit anonymem Peer-Feedback sowie kurze Gruppen-Pitches mit anschließender Stellungnahme zum Feedback. Eine anonyme Wahl der favorisierten Beiträge und eine gemeinsame Reflexion der „Lessons learned“ bildeten den Abschluss.



Welches Prüfungsform ist in dem Lehrmuster vorgesehen?

Laut Prüfungsordnung besteht in den Einführungsseminaren Anwesenheitspflicht. Die erbrachten Leistungen – einschließlich der Hausarbeit im gekoppelten Einführungsseminar – werden mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bewertet.

Für eine aktive Teilnahme am Seminar („bestanden“) müssen die Studierenden als Richtwert 75 % der vorgesehenen Aufgaben und Aktivitäten absolvieren bzw. daran teilnehmen. Dazu zählen beispielsweise Zwischenabgaben, Mini-Beiträge, die Dokumentation von Literaturrecherchen oder kurze mündliche Impulse.



Welche E-Learning-Elemente werden eingesetzt?

In Moodle wurden alle wesentlichen Materialien und Inhalte, darunter Texte, Präsentationen, weiterführende Links, Quizze und Leitfäden, zentral bereitgestellt. Zudem kamen Tools zur Gruppenbildung sowie zur fairen Verteilung von Aufgaben, beispielsweise für Rechercheberichte und Praxisbezüge, zum Einsatz. Auch die Organisation und Abgabe der studentischen Arbeitsaufträge erfolgte über Moodle.



Tipps für die Umsetzung:

"Damit die Erfahrung für Studierende in der Studieneingangsphase und bei ihrer ersten Hausarbeit selbstwirksamkeitsförderlich wirkt, sollte ihnen einerseits ein echter Gestaltungsspielraum bei der Wahl und Eingrenzung ihrer Fragestellung eingeräumt werden. Andererseits sollte durch klar definierte und vorstrukturierte Zwischenschritte, beispielsweise Zwischenabgaben und gezieltes Feedback, ein angemessenes Anforderungsniveau sichergestellt werden, das weder über- noch unterfordert. Angesichts des damit verbundenen Betreuungs- und Organisationsaufwands ist insbesondere bei einer erstmaligen Durchführung die Unterstützung durch eine studentische Hilfskraft und/oder eTutor:in zu empfehlen."

Dr.in Katja Serova & Isis Tunnigkeit



Hat Ihnen das Lehrmuster gefallen? Dann setzen Sie doch ein ähnliches Lehrmuster um! Gerne beraten wir Sie hierzu. Und für Forschendes Lernen gibt es sogar eine Transferförderung. Für einen Beratungswunsch schicken Sie bitte eine E-Mail an lehrmuster@rub.de.






Konzipierung

Kontaktperson:
Dr.in Katja Serova & Isis Tunnigkeit
(katja.serova@rub.de / isis.tunnigkeit@rub.de), Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft, Institut für Erziehungswissenschaft


Weitere Informationen

Veröffentlichungsdatum:
13. Oktober 2026, 13:26 Uhr

Schlagwörter:
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Fächergruppen:
Geisteswissenschaften


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